Freitag, 10. September 2010

Von Derrylahan nach Strandhill (Sligo), 07. & 08.09.

Bin nun in DER Surf Region Irlands. Nicht wundern, wenn jetzt hauptsächlich Bilder von Wellen und Stränden kommen. Obwohl ich den Starkregen in Derrylahan abgewartet habe, bin ich in den letzten zwei Tagen doch noch ziemlich nass geworden. Sommerwetter ist was anderes… Bei Full Irish Rain hilft nur Full Irish Breakfast: Zwei Würste, zwei Eier, Speck, Bohnen, Hackbratlinge, Toast mit viel Butter, ’ne halbe Tomate, dazu Pfeffer und Salz sowie ’nen Liter Schwarztee und ’n warmer Chocolate Brownie. Gesund ist was anderes. Ich weiß. Aber ich hab das Gefühl ich brauch das. Nachdem ich nun an drei Tagen hintereinander Surfen war und dazu durch den Regen radgefahren bin, fühle ich mich total alle. Glaube, dass mittlerweile mehr als nur ein Tag Pause angebracht wäre. Mache morgen deswegen wieder einen in Strandhill bei Sligo. Dann habe ich Zeit, mir auch mal eine irische Stadt anzuschauen, nachdem ich Derry, Letterkenny, Donegal und Bundoran nur gestreift habe.

"The Peak" in Bundoran... ein wunderschoenes Riff


Turf n Surf in Bundoran... Unterkunft in einer Surf Lodge

Jetzt, hier in Strandhill habe ich allerdings das Gefühl, ich hätte lieber in Bundoran bleiben sollen. Bundoran ist eine Surfstadt pur, mit vielen Spots. Habe im Surf’n Turf geschlafen, eine Surf Lodge. Außerdem hat Bundoran Nachtleben mit Live-Musik, das es hier in Strandhill nicht gibt. Bis Sligo sind es immerhin 10 km.

Immerhin, Surfen war doch recht erfolgreich, ich sammele einen Haufen Erfahrung, lerne die unterschiedlichsten Spots und die unterschiedlichsten Wellen kennen. Die Wellen sind zwar konstant bei 1,50 bis 2 m und kommen aus Westen, aber jeder Spot ist eben anders. Dazu Myriaden irischer Surfer, von denen ich mir einiges abschauen kann. Toll auch, dass hier jung und alt surfen, Vater und Sohn.

Werde noch bis Easkey fahren, und dann die Küste verlassen. Hoffe, dass dann auch der Verkehr nachlässt, wenn ich nach Irlands am dünnsten besiedelter Region komme. Wie ein Land mit so wenigen Einwohnern soviel Verkehr produzieren kann? Keine Ahnung. Immerhin haben die Hauptstraßen einen breiten Standstreifen, der wie gemacht ist zum Radfahren. Ich brauch’ echt ’ne Pause. Es geht an die Substanz. Gute Nacht…

Vytas

07.09.: 80 km

08.09.: 57 km

Summe: 1.633 km

Nachtrag:

Matthias und Hannah sind nach Sligo gekommen. Bleibe also noch bis morgen hier und surfe nur. Die Erholung tut gut. Vorhin hats hier ne 2,50 m Welle gehabt... Juchuh!

09.09.: 23 km

Summe: 1.656 km

Montag, 6. September 2010

In Derrylahan, 05. & 06.09.

Pause. Endlich... meine Beine danken's mir. Im Derrylahan Hostel, nicht weit von Europas höchsten Klippen, warte ich das schlechte Wetter ab, ruhe mich aus und wasche endlich mal meine Sachen. Shaun, der Warden, ist ein guter Bekannter von Torsten, meinem großen Bruder im Geiste aus Berlin-Friedrichshagen. Von ihm stammt der Tipp. Es ist gemütlich drin, es läuft Julie Fowlis, eine wunderbare Sängerin und Whistlespielerin der äußeren Hebriden. Draußen stürmt und regnet es. Eine gute Gelegenheit um mal Mittagschlaf zu machen. Nachmittags musste ich dann doch noch los; Neoprenanzug an, Brett ans Fahrrad und 6 km runter zum Muckros Head für 5 bis 6 Fuß Wellen bei Regen und wieder zurück. Die andere Seite von Irland, nachdem ich bisher besonders die Sonne hier genießen durfte.
Shauns Küche... ein guter Platz um Blogs zu schreiben :)

Muckros Head - leider viele close outs, kaum laufende Wellen... aber trotzdem schön

Die Etappe von Narin, bzw. Portnoo hierher war nicht allzu schwer, trotz des Windes, bis auf eine Ausnahme: ich bin natürlich über den Glengesh Pass mit Rampen, die auf dem Rad nicht mehr zu machen waren, geschätzte 20 % waren mit Sicherheit dabei. Habe meinen höchsten Punkt der Tour damit erreicht. Über 270 m. Ein steiler Anstieg auf der einen, eine wunderbare, langgezogene Abfahrt auf der anderen Seite. Am Ende wartete das Dörfchen Carrick und eine Bar, vor welchem ein Auto des SWR stand. Ob alle dritten gerade Dokus über Irland drehen? Drinnen lief der Fernseher - ein grüner Rasen und Männer, die von einer Seite zur anderen und wieder zurück rannten. Es wurde gejubelt, ich dachte: Fußball. Dann sah ich Helme. Rugby? Dann die Schläger. Hockey? Ein riesiges Stadion, gefüllt mit grölenden Fans. Ich erinnerte mich: Don und Bernadette erzählten mir von Hurling, einem irischen Volkssport, von dem ich bisher keine Ahnung hatte. Nun sah ich es im Fernsehen.
Am Glengesh Pass - warum fahr' ich da nur hoch? Sah halt auf der Karte nach 'ner Abkürzung aus

Morgen geht es weiter nach Donegal und Bundoran. Irlands berühmteste Surfspots und Wellen warten auf mich. Das Wetter spielt zwar nicht mit, denn es wird regnen, aber was soll's. In Bundoran gibt es ein Hostel. Hoffe, dass ich dann auch Matthias treffe. Die Wellen kommen konstant aus Westen im 9 Sekunden Abstand. Es ist wunderbar, so viel Zeit zu haben. Einfach wunderbar. Grüne Grüße,
Vytas

05.09.: 48 km

06.09.: 12 km

Summe: 1.497 km

Sonntag, 5. September 2010

Von White Park Bay nach Portnoo, 03. & 04.09.

Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll. Bei der traditionellen Live-Musik im Anorra Pub in Narin? „Black ist the colour of my true love’s hair, her lips are like some roses fair“… wunderschön. Bei den perfekten Wellen in Portballintrae? Die sauberen Ritte auf der “Dirt Patch” – unglaublich… Bei meinem Platten in Londonderry? 80 km hat der Michelin gehalten. 13.405 km der Maxxis – ätzend… Bei der kleinen Schlägerei gestern Abend in Ballykelly, direkt vor Nordirlands bester Fish’n’Chips-Bude? Uh oh… Oder doch lieber bei den überfüllten Straßen zwischen Coleraine, Derry und Letterkenny? Nervtoetend… Die Landschaft von Letterkenny nach Portnoo; malerisch. Bei Michael und Claudio, zwei Surfer und Skater (unter anderem durch Polen, Tschechien und Deutschland), die mich mit Keksen und Schokoriegeln ausgestattet haben? Oder bei Don, Bernadette und Owen, die mir vor zwei Stunden einen riesigen Teller Reis mit Süß-Saurer-Hähnchensoße und zwei Whisky angeboten haben? Bernadette laesst meiner Mutter uebrigens ausrichten, dass ihre Tochter acht Wochen durch Asien reisen will und sie nicht damit einverstanden ist, "cause I'm a worried mum." Aber sie weiss, dass Kinder manchmal was Neues probieren muessen.
Dieses Land ist einfach Wahnsinn. Und ich bin erst den dritten Tag hier. Die Tour die beste Idee, die ich je hatte. Und sie ist noch nicht zur Hälfte rum. Es ist voll im Anorra Pub und es ist Samstag. Ich hol mir noch ein Guiness… Die Musik geht weiter…

Beim Giants Causeway, hexagonale Basaltsaeulen, die Tausende von Touristen anziehen... auf den Fusswegen rundherum herrscht wieder Rechtsverkehr. Sogar der NDR war vor Ort.

Die "Dirt Patch" am Strand von Portballintrae - eine wunderschoene Welle, auf der ich mit meinem Longboard viel Spass hatte...

Fast schon sowas wie ein "crowded spot"... wie die Welle heisst, habe ich vergessen... schoen, mal ein paar andere Surfer dabei zu haben. Freitag Nachmittag eben...

03.09.: 70 km

3. Woche (28.08. bis 03.09.): 515 km

04.09.: 116 km

Nordirland (02. bis 04.09.): 185 km

Summe: 1.437 km

Freitag, 3. September 2010

Von Larne nach White Park Bay, 02.09.

Bin in Irland. Es grünt, der Himmel ist blau – irgendwie ist hier alles viel sanfter als in Schottland. Musste gestern 240 m berghoch, aber die Steigungen sind so moderat, dass man entspannt fahren kann. In Schottland war man immer an seinen Grenzen. Dazu langgezogene Abfahrten mit 35 km / h. Soviel Zeit, die Landschaft zu genießen. Bin von Larne der Causeway Coastal Route gefolgt. Ist hier so was wie eine Bundestraße, aber hat so wenig Verkehr, wie Hinterlandsstraßen in Mecklenburg-Vorpommern!

Bereits beim Einkauf in Troon wurde ich gleich zwei Mal auf meinen Trailer angesprochen:

„Where do you come from?“ oder „Where are ya goin’?“ – „Taking the ferry to Ireland. Heading for Ballycastle.” – “I am from Ballycastle! It’s beautiful”, schrie es mir aus einem Auto entgegen.

Bereits in Schottland also ein Haufen Iren, die mich freundlich ausfragten. War gegen 14.30 Uhr am White Park Bay. Ein wunderschöner, langgezogener Strand mit 5 Fuß saubersten Wellen. Der Strandzugang war allerdings ein Abenteuer für sich. Mit meinem Gerödel habe ich bestimmt 20 Minuten gebraucht. Aber es hat sich gelohnt.

White Park Bay... was soll man noch sagen?

Gleich am ersten Abend dann Live-Musik in Ballintoy – Sally O’Brien, Mann mit Gitarre. Was für eine kraftvolle Stimme! Viele altbekannte Lieder wie „Whisky in the Jar“ oder „Ring of Fire“ zusammen mit „Black ist the colour“ oder „Star of the county down”. Dazu meinen ersten Irish stew. Und die ersten Kapitel in Heinrich Bölls “Irisches Tagebuch”. Ob ich auch alle Eindrücke abspeichern kann? Meine größte Sorge ist viel zu erleben und viel zu vergessen. Brauche unbedingt Zeit, die Dinge setzen zu lassen. Und endlich meinen Reifen zu Wechseln…

Es grüßt von der Insel,

Vytas

02.09.: 88 km

Summe: 1.251 km

Mittwoch, 1. September 2010

Wie komme ich nach Irland?

Die zehnte und letzte Fährfahrt steht an. Die letzte Chance, dass irgendwas schiefgeht. Die Fähre von Troon nach Larne fällt aus. Ein Bus holt mich und mein Gepäck hoffentlich ab und bringt die Passagiere nach Cairnryan. Von dort geht dann um Mitternacht eine Fähre. Bin dann in Irland tatsächlich erst am 02.09. um 2 am. Mal sehen wo ich mich dann hinhaue. Esse jetzt noch Burger und Chips, dafür gibt WiFi kostenlos. Melde mich demnächst wieder.
V.
Cairnryan um 23.30 Uhr, statt Troon um 20.00 Uhr...

Von Oban nach Troon, 31.08. & 01.09.

Bin jetzt in Troon und habe ein Ticket nach Larne in Nordirland. Hier gibt es eine Library mit GUTEN Computern. Unglaublich. Die letzten zwei Tage hat hier die Sonne geschienen. Die Strasse von Oban nach Campbeltown war wunderschoen zu fahren und die Farben leuchteten in saftigem Gruen. Bill von den Hebriden hatte mich gewarnt:
"You're giving your live into others hands if you go that road."
Kann ich ueberhaupt nicht nachvollziehen. Natuerlich mehr Verkehr als im Norden und auf den Inseln, aber noch lange nicht viel. Eine Strasse, auch bei anderen Radfahrern sehr beliebt.

Pause am Loch Melfort...

Auf Arran bin dann schnell ins Youth Hostel. Arran wird wohl von einigen little Scotland genannt, wegen der hohen Berge auf dieser kleinen Insel. Angeblich ginge es 400 m straigth up, so ein Mitvierziger, der dieses Fruehjahr 3000 Meilen entlang der Britischen Kueste geradelt ist. Habe es nachgeprueft anhand der sehr genauen Explorer Maps, die im Youth Hostel aushing. Es sind genau 199 m. Alles halb so wild...
Nach der Ueberfahrt aufs mainland habe ich fuer die Strecke Ardrossan - Troon ca. zweieinhalb Stunden gebraucht. Navigieren schwer gemacht. Dazu furchtbare Streckenfuehrung der National Cycle Route 73. Alternative waeren stark befahrene Strassen gewesen. Bin ich froh, morgen in Irland weiter zu radeln. Hoffe, dass ich dann auch bis nach Ballycastle komme und morgen wieder surfen kann. Muss mal meinen Rechner laden, dann gibt es bestimmt noch ein paar Fotos. Bin muede. Werde noch bei Tee und Kuchen meinen letzten schottischen Stunden geniessen. So schnell ist der erste Teil der Reise vorbei... Es gruesst in die Heimat,

Vytas

31.08.: 107 km

01.09.: 58 km

Schottland (17.08. bis 01.09.): 1.123 km

Summe: 1.163 km

Montag, 30. August 2010

Auf den Hebriden, 26. bis 30.08.

Auf den Äußeren Hebriden, 26.08. bis 30.08.

Auf Wiedersehen Ullapool... die Hebriden warten

Bin nun lange nicht mehr ans Internet gekommen, deswegen jetzt ein größerer Abschnitt. Außerdem habe ich den Text vom letzten Eintrag hinzugefügt.
In Ullapool war am Abend noch Live-Musik von Hat Fitz und Cara Robinson, eine australisch-irische Mischung aus Blues, Country und Folk. Sehr virtuos mit tollem Klang und eindrucksvollen Stimmen. Am Morgen dann zwei Stunden die reinste midges-Plage. Auf dem Schiff war dann der Nordswell zu spüren, also bin ich in Stornoway zunächst nach Osten in die kleine Bucht, wo leider nicht viel los war, dann aber schnellstens wieder nach Nordwesten in Richtung Dalmore gefahren, um noch was vom Swell abzubekommen. Die Bucht wunderschön, die Sonne tief am Horizont, das Wasser glasklar, die Wellen sechs Fuß und vier nette Jungs aus München, die mir beim Surfen Gesellschaft leisteten rundeten den Tag zu einem der besten der Tour ab. Natürlich habe ich vor lauter Euphorie keine Fotos gemacht, aber einer der Münchener hat versprochen, noch welche zu schießen, falls sie noch mal dahin fuhren. Die Nacht dann im Blackhouse Village, einem restaurierten Museumsdorf, neben einer Ruine gezeltet, in einer urigen Küche Eintopf gekocht. Eindrücke, die bleiben.

Camping am Blackhouse Village Hostel in Gearrannan, einem historischen Museumsdorf

Steinkreise ueberall... hier die am besten erhaltenen in Chalanais

Tags darauf ging’s im Zickzack nach Süden in Richtung Tarbert. Berghoch, Bergrunter mit dem Wind, gegen den Wind und so weiter und so fort. Im Drinisdale Hostel geschlafen und über den Little Minch nach Skye geschaut, von Bill mit dem Auto zum nächsten Shop mitgenommen, um Bier zu kaufen. Am nächsten Tag nen guten Strand zum Surfen rechts liegen gelassen und zum nächsten Camping gegen den Wind und gegen den Regen gefahren. Die Hebriden von ihrer rauen Seite. Zuletzt dann aber Nordwind, eisig, aber dafür entspanntes Radfahren. Nach dem ich nun sieben Tage gefahren bin, ist heute in Oban Pause angesagt. Gestern war ich noch auf Barra, habe dort einen wunderschönen Strand bei Sonnenuntergang ersurft und bin froh, heute mal nichts zu tun. Geht irgendwann nicht nur auf den Körper, sondern auch ganz schön auf die Psyche.


Was hilft gegen die Muedigkeit? Sonnenschein, ein Dach ueber dem Kopf und warmer Tee... hier im Drinisdale Hostel auf der Isle of Harris

Nichts tun stimmt aber auch nicht ganz; auf den Hebriden ist mir aufgefallen, dass mein Ersatzreifen gar nicht mehr da ist. Und dass der hintere Maxxis nun schon über 13.000 km weg hat. Langsam pellt sich das Gummi von der Naht… daher habe ich eben einen neuen gekauft. So ganz trau ich diesem Ding aber nicht, weswegen ich den heute noch nicht wechseln werde. Dafür habe ich das Brett neu eingewachst und ne Beule ausgebessert, nach dem mir gestern Abend das erste Mal das Brett runtergefallen ist. Aber genau für solche Fälle habe ich ja das stabile Bugz gekauft. An mancher Welle hätte ich schon gern ein besseres Brett, aber es tut seine Dienste.

Surfen auf Barra

Die Faehre von Campbeltown nach Ballycastle in Irland gibt es uebrigens nicht mehr. Habe einiges an Literatur, die diese Verbindung noch ausweist, weswegen ich ein bisschen stinkig bin. Deshalb fahre ich morgen noch auf die Insel Arran, um dann von Troon die Faehre nach Larne oder Belfast in Nordirland zu nehmen. So umgehe ich den Ballungsraum Glasgow. Werde also an dieser Stelle einen zusaetzlichen Tag einplanen muessen. Was soll's, die Bedingungen sollen in den naechsten Tagen gut sein.

Ben Nevis im Hintergrund

26.08.: 58 km

27.08.: 86 km

2. Woche (21. bis 27.08.): 448 km

28.08.: 81 km

29.08.: 94 km

30.08.: 19 km

Summe: 997 km
 
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